Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hat sich am heutigen Freitag (14. April) bei dem Technologieunternehmen VINCORION in Wedel über die Lage im industriellen Mittelstand in Schleswig-Holstein informiert. Der Minister betonte, dass die Streitkräfte in Deutschland zügig ausgerüstet werden müssten und es bei der Beschaffung keine weiteren Verzögerungen geben dürfe.

Im Gespräch mit Madsen erläuterte Stefan Stenzel, Geschäftsführer von VINCORION, den Wunsch der Industrie nach Planbarkeit und Verlässlichkeit von Seiten der Politik. Außerdem zeigte er die Entwicklungen der Branche, etwa anhand des Themas „Green Defense“ und Möglichkeiten, CO₂ einzusparen.

Beschaffung darf sich nicht in die Länge ziehen

„Die Wehrtechnik-Branche hat eine große wirtschaftliche Bedeutung in Schleswig-Holstein“, hielt Madsen fest. Rund 30 Unternehmen in dieser Branche gebe es im Norden mit rund 7000 Beschäftigten, indirekt seien es sogar 20.000 Arbeitsplätze. Zu der Branche zähle auch ein bedeutender industriellen Mittelstand – wie zum Beispiel „Vincorion“.

„Die Landesregierung möchte, dass ein guter Teil des 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens für die Bundeswehr im Norden investiert wird“, betonte Madsen. „Neues Material für die Streitkräfte muss zügig beschafft werden, das ist sicherheitspolitisch- und wirtschaftspolitisch geboten.“ Verständnis zeigte der Minister dafür, dass es für die Industrie schwierig sei, wenn sich Beschaffungsprozesse lange hinzögen. Die Industrie benötige verbindliche Zusagen, um planen zu können, wie Stenzel erklärte. Werde Gerät zum Beispiel an die Ukraine abgegeben, brauche es bis zu 24 Monate, um ersetzt zu werden. Denn auch Material sei teilweise schwer zu bekommen.

Keine Stigmatisierung bei der Finanzierung

Nicht zeitgemäß sei es, dass Rüstungsbetriebe in Zeiten militärischer Bedrohung Schwierigkeiten hätten, an Kreditfinanzierungen zu gelangen. Madsen: „Es darf hier keine Stigmatisierung geben. Das würde die Bedeutung der Verteidigungsindustrie im Norden verkennen. Es würde aber auch den außen- und sicherheitspolitischen Interessen widersprechen.“

Auslöser sind die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) und die EU-Taxonomie, die neue Regeln für Finanzierungen von Seiten der Banken einführt. Wehrtechnik müsse als nachhaltig anerkannt werden, um Finanzierungen zu erleichtern. Madsen will das Thema nicht nur bei den Banken im Land ansprechen, sondern auch Gespräche über eine mögliche Einbindung der staatlichen KfW-Bank fortsetzen.

Investitionsstau bei der Bundeswehr auflösen

Der Ukraine-Krieg habe den Blickwinkel der Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit einer einsatzfähigen Bundeswehr und auch auf die wehrtechnische Industrie verändert, wie Stenzel dem Minister berichtet. „Insofern können wir erwarten, dass nun auch in Deutschland baldmöglichst die benötigten Investitionen in unsere Streitkräfte getätigt werden.“

Stenzel wies darauf hin, dass noch immer keine konkreten Aufträge aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen in Wedel eingegangen seien – auch wenn es Anfragen von vielen Systemhäusern gebe. „Mit den Mitteln aus dem Sondervermögen können nur die Ausrüstungslücken geschlossen und altes Gerät ersetzt werden. Es ist völlig klar, dass man den Verteidigungshaushalt um 20 bis 30 Milliarden pro Jahr aufstocken muss.“ Nur so könnten die inflationsbedingt ansteigenden Kosten der Armee finanziert werden. Im Jahr 2022 konnte VINCORION in Wedel 79 neue Mitarbeiter einstellen und werde dies auch in diesem Jahr fortsetzen. Ebenso baue man am Standort im bayerischen Altenstadt den Personalbestand aus. Stenzel: „Fachkräfte für die Industrie zu finden ist aber nicht einfach, in Wedel ebenso wenig wie an unseren anderen Standorten.“

Spitzentechnologie, die in Wedel gefertigt wird

Stefan Stenzel betont, dass die mittelständischen Unternehmen auch für die technologische Entwicklung in Schleswig-Holstein eine Rolle leisteten. An Madsen, der auch Minister für Technologie ist, gewandt, sagte er: „Wir entwickeln und fertigen bei Vincorion hybride Systeme für die Energieerzeugung.“ Dazu gehörten Elektronik und Komponenten wie der Anlasser für den Leopard-2-Panzer oder den Motor, der den Turm des Fahrzeuges dreht. Die Waffenstabilisierung sei Spitzentechnologie, die hier in Wedel gefertigt werde. Auch im zivilen Bereich arbeite VINCORION an technologischen Lösungen, wie an einer innovativen elektronischen Rettungswinde, die für den Kunden Airbus Helicopter entwickelt wird und die weltweit höchste Sicherheitsstandards erfüllt.

Nicht nur gesamtgesellschaftlich, auch im militärischen Bereich spiele der Klimawandel eine wachsende Rolle, erläuterte der Geschäftsführer von VINCORION dem Minister bei seinem Besuch. „Wir arbeiten daran, die Produktion in unserem Unternehmen, die Unternehmensführung und auch unsere Produkte selbst nachhaltiger und CO₂-sparsamer zu machen“, sagte Stefan Stenzel. Das Thema „Green Defense“ werde zunehmend wichtiger: „Wir stehen als Unternehmen voll hinter dem Ziel, den CO₂-Ausstoß von Armeen wie der Bundeswehr zu senken.“

Dieter Holst und Stefan Stenzel, Geschäftsführer von VINCORION, begrüßen Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen in Wedel. (Fotos: VINCORION)

Die Branchenauszeichnung für innovative Produktions- und Logistiklösungen wurde in Gerlingen bei Stuttgart verliehen: VINCORION wird in der Kategorie „Kundenorientierung“ prämiert. Der Benchmarking-Wettbewerbs für „Best Practices“ in der Industrie wird unterstützt durch die Bundesvereinigung Logistik.

Die Auszeichnung wird jährlich von einer unabhängigen Expertenjury aus ehemaligen MX-Gewinnern verliehen, unter der wissenschaftlichen Leitung der Technischen Universität Berlin. Sie würdigt innovative Lösungen in der Produktion und Logistik. Ziel des Awards ist es, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, indem „Best Practices“ identifiziert, die branchenübergreifende Zusammenarbeit gefördert und eine Austauschplattform geschaffen wird.

Das Technologieunternehmen VINCORION hat sich auf Energiesysteme in sicherheitskritischen Anwendungsbereichen spezialisiert – darunter Generatoren, elektrische Motoren und Antriebe, Aggregate, Leistungselektronik und hybride Energiesysteme. Spezifische Kundenanforderungen gehören für VINCORION zum täglichen Geschäft.

Produkte haben lange Lebensdauer

Egal ob in der Luft, auf der Schiene oder im militärischen Einsatz: Die Lösungen von VINCORION müssen höchsten Belastungen standhalten. Die Produkte sind meist mehrere Jahrzehnte im Einsatz und müssen über einen langen Produktlebenszyklus zuverlässig funktionieren. Da es sich um stark regulierte Anwendungsbereiche handelt, ist die Erfüllung einer Vielzahl von Zertifizierungen, Richtlinien und Qualitätsstandards eine Grundvoraussetzung.

„Unsere Kundenorientierung stützt sich folglich auf mehrere Säulen: vertrauensvolle Partnerschaft, intensiver Dialog sowie langfristiger Service. Dafür sondieren wir nicht nur ständig den Markt, um möglichst zielgenau die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen, sondern machen die Kundenzufriedenheit auch anhand konkreter Kennzahlen messbar“, erklärt Dr. Stefan Stenzel, Geschäftsführer von VINCORION.

Kundenzufriedenheit als messbare Kenngröße

Um die Kundenzufriedenheit anhand von Kennzahlen vergleichbar zu machen, hat sich VINCORION neu aufgestellt. Dafür wurden Gespräche mit den knapp fünfzehn wichtigsten Kunden geführt, in dem sie Bedarfe und Wünsche in der Kundenbetreuung offenlegten. Ausgehend davon hat VINCORION neue Strukturen und Prozesse definiert. Jeder „Top-Kunde“ erhielt beispielsweise einen Key-Account-Manager als Ansprechpartner, der sich um sämtliche Anliegen kümmert und ein tiefergehendes Kundenverständnis entwickelt.

Gemeinsam wurden bis zu vier Kenngrößen definiert, um die Kundenzufriedenheit messbar zu machen: Dazu gehören 1) Termintreue: Wird pünktlich zum vereinbarten Termin geliefert? 2) Mengentreue: Werden die vereinbarten Mengen geliefert? 3) Reklamationsquote: Gab es aufgetretene Fehler innerhalb der Gewährleistungsfrist? 4) Kommunikation: Wurden eventuelle Abweichungen frühzeitig kommuniziert? Einmal im Quartal übermitteln unsere Auftraggeber eine Bewertung zu diesen Kriterien nach einem Punktsystem. Die Selbsteinschätzung von VINCORION und Fremdeinschätzung des Kunden werden schließlich miteinander verglichen.

Impulse für Weiterentwicklung von Produkten

Seit Jahren ist VINCORION zum Beispiel bei der hydraulischen Rettungswinde für den Helikopter NH90 etabliert, die bei alpinen Notfällen oder Rettungseinsätzen in Überschwemmungsgebieten zum Einsatz kommt. In Gesprächen und Befragungen mit Helikopterherstellern und Anwendern erhielt das Team Impulse für die Weiterentwicklung. Auf dieser Grundlage arbeiten man an einer neuen elektrischen Rettungswinde, die ERH premierv, die in puncto Performance, Zuverlässigkeit und Sicherheit neue Standards setzt.

Wie lang die Technologien von VINCORION mitunter im Einsatz sind, lässt sich am Beispiel des Leopard 2 gut nachvollziehen: Die allerersten Exemplare wurden bereits zur Jahreswende 1979/80 bei der Bundeswehr in Dienst gestellt, noch immer ist der Panzer im Einsatz. Von VINCORION stammt die Waffenricht- und -stabilisierungsanlage des Leopard 2. Dabei werden wartungsfreundliche Baugruppen und modulare Systeme genutzt. Zudem wurde die Möglichkeit der Weiterentwicklung von Beginn an mitgedacht und technisch vorbereitet.

Langfristig genutzte Technik instand halten

„Wir stehen vor der ständigen Herausforderung, zukunftsorientiert zu denken und neue Produkte zu entwickeln. Zugleich müssen wir oft langfristig genutzte Technik instand halten und permanent an sich wandelnde Herausforderungen anpassen“, betont Dr. Stefan Stenzel. „Die Ergebnisse des Benchmarking-Wettbewerbs MX Award liefern uns hier weitere wertvolle Impulse, um Optimierungspotenziale bei VINCORION zu heben und uns als Unternehmen für die Zukunft noch besser aufzustellen.“

Klaus Lübbers (DIRKS Group), Dr. Manfred Jagiella (Endress+Hauser Gruppe), Marco Lienau (VINCORION), Marcus Golchert (VINCORION), Dr.-Ing. Daniel Roy (MX) und Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer (MX) freuen sich über den Award (v.l.n.r.). (Foto: Marcus Krüger)

Das Technologieunternehmen VINCORION aus Wedel plant, die Verbesserung des Energiesystems im Schützenpanzer PUMA voranzutreiben. Die Leistungselektronik wird in diesem Rahmen überarbeitet und mit modernen Bauteilen robuster gestaltet.

„Wir halten den Puma für den leistungsfähigsten Schützenpanzer auf dem Markt“, sagt Dr. Stefan Stenzel, Geschäftsführer von VINCORION – ungeachtet der jüngsten Debatten um Ausfälle. Er betont: „Wir investieren in die Zukunftsfähigkeit und stellen uns damit deutlich hinter das System.“ In Fachkreisen sei man sich einig, dass es sinnvoll sei, die Leistungsfähigkeit des PUMA kontinuierlich zu erhöhen, um den gesteigerten Nutzungsanforderungen gerecht zu werden.

Stefan Stenzel äußert sich auch vor dem Hintergrund der aktuellen Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestages: Dieser kommt am Mittwoch, den 18. Januar in Berlin zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Debatte um den aktuellen Sachstand zum PUMA.

Die „Wirkungsüberlegenheit“ hatte auch das Bundesverteidigungsministerium dem Fahrzeug bescheinigt – auch wenn es Nachbesserungen bei der Einsatztauglichkeit geben müsse. Dass dies möglich ist, davon ist Stefan Stenzel überzeugt: „Von den 18 ausgefallenen Schützenpanzern sind 17 wieder in Betrieb. Das System wird auf Dauer sehr erfolgreich betrieben werden können.“.

Erweiterte Funktionen werden eingebaut

In Wedel arbeitet man nun daran, die Leistungselektronik des PUMA zu verbessern – in einem Bereich, der von den jüngsten Ausfällen nicht betroffen war. Dazu gehört die Neuzertifizierung nicht mehr Marktverfügbarer Komponenten, aber auch, erweiterte Funktionen mit einzubauen. Beispiele dafür sind die Versorgung eines elektrischen Abgasturboladers und das externe Laden des Schützenpanzers.

Das Projektteam von VINCORION tauscht sich dafür eng mit dem Kunden aus: Auf der Liste steht beispielsweise die Vermessung des aktuellen Energiesystems. Bis zum Ende des ersten Quartals 2023 sollen die Spezifikationen für Systeme und Komponenten stehen. Darauf aufbauend werden dann transparent neue Komponenten entwickelt. Die ersten Bauteile für Funktionsmuster und Prototypen werden ab Ende 2023 beschafft und zügig zu Baugruppen zusammengebaut.

VINCORION wird sich dabei intensiv mit neuen Technologien befassen. Dabei profitiert das Unternehmen von Synergien mit anderen Zukunftsprojekten im Bereich der Energiesysteme. Das Projekt hat ein Volumen von zunächst acht Millionen Euro.

Der Schützenpanzer mit modularer Panzerung

Der PUMA ist der leistungsfähigste Schützenpanzer, der an die Bundeswehr geliefert wird. Das Fahrzeug, das seit 2015 produziert wird, ist einer der stärksten Schützenpanzer der Welt. Er kann neun Personen transportieren und wiegt in der Schutzstufe A 31 Tonnen, in der Schutzstufe C 41 Tonnen. Die zusätzliche Panzerung kann modular angebracht werden – was den PUMA sogar transportabel in Flugzeugen wie dem A 400 M macht. Mit seinem 1090-PS-Motor kann das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern auf der Straße erreichen.

Die Bewaffnung besteht aus einer Maschinenkanone, einem 5,56-mm-MG und einer Sprengkörperwurfanlage. Gegenüber dem Vorgänger, dem Schützenpanzer Marder, verfügt der PUMA über eine Maschinenkanone mit einem Kaliber von 30 Millimetern (Marder 20 Millimeter), die zudem stabilisiert und damit zielgenauer ist. Außerdem ist diese so eingerichtet, dass die Zielerfassung von der Zielbekämpfung getrennt ist, wie es bei modernen Kampfpanzern geschieht.

Der Schutz von Großstädten und Siedlungen, von Energieanlagen oder der Infrastruktur vor Bedrohungen aus der Luft wird kontrovers diskutiert. Gerade seit den verstärkten russischen Raketenangriffen auf die Ukraine drängt sich die Frage auf, was Abwehrsysteme leisten können – und, welche in Deutschland eingesetzt werden. Am Rande des Treffens der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel haben 14 europäische Staaten und Deutschland gerade erst den „Letter of Intent“ zur Gründung einer European Sky Shield Initiative (ESSI) zur Luftverteidigung unterzeichnet – denn bei der Verteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft und dem Weltraum hat Deutschland Nachholbedarf. Das Technologieunternehmen VINCORION aus Wedel bei Hamburg, selbst Zulieferer für die Energieversorgung von Abwehrsystemen, gibt einen Überblick zum Thema Schutzschirme.

Diese Systeme sind in der NATO im Einsatz

„Ein wirkungsvoller Schutzschirm besteht aus mehreren Systemen, die aufeinander aufbauen, verknüpft sind und sich wie eine Kuppel aufspannen“, erklärt Dr. Stefan Stenzel, Geschäftsführer von VINCORION. Das bekannteste Abwehrsystem ist „Patriot“ des Herstellers Raytheon, das schon seit den 1980er Jahren auf dem Markt ist und ständig weiterentwickelt wird. Die aktuelle Version ist „Patriot PAC-3 MSE“. Der Patriot-Lenkflugkörper kann bis zu fünf Ziele gleichzeitig bekämpfen, etwa ballistische Raketen, die er direkt trifft. Es sind Systeme mit unterschiedlichen Reichweiten im Angebot, beispielsweise hat ein System der Bundeswehr knapp 70 Kilometer Reichweite. Da Patriot fortlaufend verbessert wird, wird es bis über das Jahr 2040 hinaus im Einsatz sein.

„Bei der Modernisierung und der Anpassung an aktuelle Verteidigungsszenarien spielt die Energieversorgung eine Hauptrolle, kommen doch immer mehr und vor allem leistungsfähigere Komponenten zum Einsatz“, sagt Stefan Stenzel. „Das ist der Fall etwa bei der Auslegung neuer Radare wie dem LTAMDS-Radar oder bei der Bildung ganzer Schutzschirme, die zudem mitwachsen und per Plug-and-Fight-Funktion miteinander verknüpfbar sein sollen.“ Gleichzeitig seien aber auch ressourcenschonende Komponenten gefordert, hinsichtlich der Emissionen, aber auch der Kraftstoffverbräuche und damit der Einsatzkosten.

Ein weiteres System ist das US-amerikanische „THAAD“ („Terminal High Altitude Area Defense“), das in der mittleren Reichweite von rund 200 Kilometern eingesetzt wird, von den USA wie von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dieses System kann Raketen in der letzten Phase ihres Fluges aufhalten.

In die Schlagzeilen gekommen ist das neue System „IRIS-T“ aus Deutschland, von dem ein erstes Exemplar gerade an die Ukraine geliefert werden konnte. Es wurde bisher nur an wenige Länder ausgeliefert, die Bundeswehr selbst wird wahrscheinlich noch damit ausgerüstet werden. Aber die Raketen, mit denen es arbeitet, sind erprobt, da sie auf einer Entwicklung für den Eurofighter basieren. „IRIS-T“ kann Jets, Hubschrauber, Kurzstreckenraketen, Drohnen und Lenkflugkörper mit einer Reichweite bis zu 40 Kilometer bekämpfen.

Für den äußeren Teil der Schutzschirme, die sich wie Kuppeln aufbauen, plant Deutschland die Anschaffung des israelischen Systems „Arrow 3“, das Lang- und Mittelstreckenraketen mit einer sehr hohen Reichweite abfangen kann. Die Entwicklung begann mit dem „Arrow“ bereits 1986 in Israel unter US-Beteiligung. Das neue „Arrow 3“ gilt als sehr flexibel, feindliche Raketen sollen durch direkte Treffer zerstört werden. Der Schutzschirm der neuen „European Sky Shield Initiative“ könnte aus den drei Systemen „IRIS-T“, „Patriot“ und „Arrow 3“ bestehen.
In Frankreich und Italien wird das System „SAMP/T“ gefertigt, das seit 2002 einsatzfähig ist. Das Abwehrsystem kann mit unterschiedlichen Raketen bestückt werden, die eine Reichweite zwischen 30 km („Aster 15“) und bis zu 120 km erreichen („Aster 30“). Die Raketen sind kleiner als beim „Patriot“-System.

In die Ukraine liefern die USA jetzt das System „NASAMS“, das in Norwegen und den Vereinigten Staaten gebaut wird. Es kann mit „Patriot“ gekoppelt werden, das für die größeren Reichweiten gedacht ist. Aktuell erreicht das System „NASAMS 3“ eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern. In Europa wird dieses System für einen Schutzschirm beispielsweise von Litauen und den Niederlanden verwendet.

Diese Systeme gibt es außerdem noch:

Führend ist auch die israelische Industrie, die mit „Davids Sling“ (bis 160 km) und dem „Iron Dome“ (bis 17 km) beispielsweise zwei sehr fortschrittliche Abwehrsysteme fertigt, die jedoch nicht an die Ukraine geliefert werden.

Von russischer Seite sind die Systeme S-300 und S-400 im Einsatz, deren Trefferquoten in Untersuchungen der NATO weniger gut abgeschnitten haben als beim Patriot-System. Die Ukraine verfügt über das S-300 und erzielte damit bei den jüngsten Raketenanschlägen Abfangquoten von bis zu 50 Prozent. Es hat eine Reichweite von 75 bis 100 km.

Deutschland plante zwischenzeitlich die Entwicklung eines weiteren eigenen Systems, des TVLS, das auf dem Projekt „MEADS“ basierte. Der Bundestag hatte aber 2020 per Beschluss die Weiterentwicklung gestoppt. Weitere Länder, die Schutzschirme entwickeln und herstellen, sind Indien und China sowie Taiwan.

Wie funktioniert ein modernes Abwehrsystem?

Ein Radar sieht sich den Luftraum über einem bestimmten Gebiet an. Es kann eine Freund- / Feind-Erkennung durchführen, die interpretiert wird. Dabei werden alle Luftfahrzeuge erfasst, denn es geht ja nicht nur um Flugzeuge, sondern auch um Raketen und größere Drohnen. Entdeckt das Radar einen Feindkontakt, so wird die Abwehrrakete gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Radar kann die Rakete auch noch nachgesteuert werden, bis sie schließlich das Flugobjekt trifft und unschädlich macht.

Dabei kommt es auf eine jederzeit sichere Energieversorgung an: VINCORION liefert die Energie für das Radarsystem und den Raketen-Launcher von Patriot und den Launcher von IRIS-T. „Das besondere ist das Lastprofil des Systems“, erklärt Stefan Stenzel. Über den Verlauf des Einsatzes hinweg gebe es immer wieder besondere Lasten, für die Energie bereitgestellt werden müsse. Hybrid-Systeme können deutlich effizienter sein, da sie den Betrieb am Netz ermöglichen, wenn ein System stationär betrieben wird. Stefan Stenzel: „Die Herausforderung ist, immer so viel Energie zu liefern, wie benötigt wird – auch unter Umweltaspekten ein wichtiges Vorhaben.“

Patriot ist transportabel, aber zukünftige Systeme sollen auch in Containern untergebracht werden. Die Module sollen eine einheitliche 20-Fuss-Transportschnittstelle zum Trägerfahrzeug erhalten – das macht die Logistik einfacher und die Aggregate gut einsetzbar.

„IRIS-T“ besteht beispielsweise aus der Radaranlage, dem Gefechtsstand und dem Raketen-Starter, die auf Lastwagen montiert sind. Mehrere Systeme können gekoppelt werden und so einen effektiveren Schutzschirm bilden.

Was kann der Ukraine helfen?

Die Ausrüstung mit IRIS-T scheint in der Tat für die Ukraine sehr hilfreich im Krieg mit Russland zu sein. Zunächst ist ein erstes „IRIS-T“ geliefert worden, im Laufe des Jahres 2023 sollen drei weitere dazukommen. Ob die Ukraine aber ein „Patriot“-System bekommt, die Kiewer Regierung warb dafür bei den USA, ist noch unklar.

Vom „NASAMS-3“-System wurde aus den USA eine Einheit geliefert, bis zu sieben weitere sollen folgen. Die Sorge davor, dass ein Raketenschutzschirm in die Hände Russlands fallen könnte, dürfte laut manchen Experten bei einigen Systemen auch eine Rolle spielen. Bislang wollen Frankreich und Italien ihr System nicht liefern. Dort ist aber Bewegung ins Spiel gekommen: Frankreich will grundsätzlich ein System liefern, hält sich mit Details aber noch zurück.

Für die Systemen, die an die Ukraine geliefert werden, seien es nun „IRIS-T“ oder „NASAMS“, gilt allerdings: Sie müssen erst noch produziert werden. Bei der Herstellung und dem Betrieb sind ressourcenschonende Komponenten gefordert, und zwar in Bezug auf die Emissionen, aber auch auf Kraftstoffverbräuche und Einsatzkosten. VINCORION kommt dabei seine Erfahrungen mit mobilen, hybriden Stromversorgungsaggregaten zugute, so wie sie das Unternehmen in den neuen SEA-Aggregaten („Stromerzeugungsaggregate“) an die Bundeswehr liefern wird.

Einen wichtigen Erfolg bei der Entwicklung neuer Systeme für die Speicherung von Energie in Europa kann das Technologieunternehmen VINCORION aus Wedel bei Hamburg vermelden: Die Europäische Union wird das Projekt „NOMAD“ mit einer Förderung in Millionenhöhe unterstützen. Im Rahmen des „European Defence Fund“ (EDF) erhält das Vorhaben für innovative Energiespeicher eine Gesamtsumme von rund 20 Millionen Euro. Direkt an VINCORION gehen 1,7 Millionen Euro aus den Töpfen der EU und des Bundesministeriums für Verteidigung, was einer Förderung von fast 100 Prozent entspricht.

Das Projekt, an dem ein europaweites Konsortium arbeitet, wird 2024 starten und über vier Jahre laufen. Die neuen Energiespeicher sollen unter anderem in militärischen Installationen, Operationsbasen und Camps eingesetzt werden. „Besonders spannend für uns ist: wesentliche Teile der Integration und der Tests werden bei VINCORION stattfinden“, sagt Stefan Stenzel, Managing Director von VINCORION. Das ermögliche dem Unternehmen weiteren Fortschritt bei neuesten Speichertechnologien. Zudem werde mit dieser Ausschreibung die Möglichkeit geschaffen, an weiteren Förderprogrammen der EU teilzunehmen, mit denen die Entwicklung von modernen, hybriden und taktischen Energieversorgungssystemen vorangetrieben wird.

Passgenaue Energielösungen für die Sicherheitsindustrie

VINCORION produziert eine Reihe von Energieversorgungssystemen für den Verteidigungsbereich, die auf enormen Leistungsbedarf ausgelegt sind und diesen effizient, mit minimalem Kraftstoffbedarf und flexibel abdecken können. Auch bietet das Unternehmen eine Reihe von Energiemanagementsystemen und Stromrichter für militärische Anwendungen an.

Gemeinsam europaweit für mehr Sicherheit

Besonders groß ist die Freude bei VINCORION darüber, dass die neue Förderstrategie des Unternehmens Erfolge zeigt: Denn bereits in der ersten Runde des „European Defence Fonds“ konnte das Vorhaben platziert werden. Das Projekt “NOMAD” steht für “NOvel energy storage technologies usable at MilitAry Deployments in forward Operationbases“, also für neuartige Energiespeichersysteme, die in militärischen Einrichtungen und Operationsbasen eingesetzt werden. Die neuen Technologien werden gemeinsam von Partnern der europäischen Industrie und Forschungslandschaft designed und anschließend unter praxisnahen Bedingungen getestet.

Bei „NOMAD“ handelt es sich um ein wirklich europäisches Vorhaben: Neben VINCORION sind weitere Unternehmen und Forschungsinstitute aus Deutschland sowie Firmen aus Spanien, Frankreich, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Estland, Slowenien, den Niederlanden und Norwegen beteiligt. „NOMAD“ trägt zudem bei zum EU-Förderprogramm „Energy Operational Function“ im Rahmen der Kooperation „PESCO“, die das Ziel hat, die Kooperation der Mitgliedsstaaten in der Verteidigungspolitik zu stärken.

Das EDF-Programm der Europäischen Union, das 2017 vorgestellt wurde, unterstützt Projekte aus dem Verteidigungsbereich. Es reicht von der Schaffung neuer Energie- und Umweltsysteme über die nächste Generation von Kampfflugzeugen, Panzern und Schiffen bis zu Verteidigungstechnologien wie militärische Clouds, Cyberspace oder medizinische Gegenmaßnahmen. Darüber hinaus soll EDF europaweit bahnbrechende Technologien, insbesondere in den Bereichen Quantentechnologie und neue Werkstoffe, vorantreiben und die Kooperation kleiner und mittelgroßer Unternehmen und Start-ups grenzübergreifend initiieren.

Contact us! Contact me!